Das Schweizer „Too big to fail“-Regime für Finanzmarktinfrastrukturen
Finanzmarktinfrastrukturen (FMIs) – wie Börsen oder Zahlungssysteme – sind das Rückgrat eines effizienten und funktionierenden Finanzsystems. Da ein ungeordneter Ausfall von FMIs Risiken für das Finanzsystem birgt, werden sie als „systemrelevant“ bezeichnet. Wie andere TBTF-Institutionen müssen FMIs daher über Sanierungs- und Abwicklungspläne verfügen.
FMIs sorgen dafür, dass die Finanzmärkte reibungslos funktionieren. Zentrale Gegenparteien (CCPs) erleichtern die Abwicklung von Handelsgeschäften und reduzieren das Kontrahentenrisiko für die Teilnehmer. Zentrale Wertpapierverwahrer (CSDs) verwahren und verwalten Wertpapiere und ermöglichen so die Übertragung ihres Eigentums, ohne dass diese physisch bewegt werden müssen. Ihr Scheitern kann daher zu Verlusten, Liquiditätsengpässen und technischen Störungen auf den Finanzmärkten führen.
Für die Einstufung von FMIs als systemrelevant ist die Schweizerische Nationalbank (SNB) verantwortlich. Es identifiziert auch ihre systemrelevanten Geschäftsprozesse. Es hört bei seiner Entscheidung auf die SFMA. In der Schweiz gelten derzeit die zentrale Gegenpartei SIX x-clear, der Zentralverwahrer SIX SIS und das Zahlungssystem SIX Interbank Clearing als systemrelevant.
SIX Interbank Clearing wird von der SIX Group im Auftrag der SNB betrieben und liegt somit in der alleinigen Verantwortung der SNB. SIX x-clear und SIX SIS werden von der SFMA überwacht. Beide Unternehmen sind verpflichtet, einen Sanierungsplan zu erstellen, der die Maßnahmen zur Wiederherstellung der Stabilität im Krisenfall festlegt.
Im Falle eines Scheiterns der Sanierung muss eine Lösung eines FMI möglich sein, um einen ungeordneten Ausfall zu vermeiden. Zu diesem Zweck erstellt die SFMA einen Abwicklungsplan. Der Abwicklungsplan zeigt, wie er die systemrelevante Finanzmarktinfrastruktur bei Bedarf umstrukturieren oder liquidieren würde. Die Hauptpriorität des Abwicklungsplans für FMIs besteht darin, sicherzustellen, dass ihre Funktionen aufrechterhalten werden, bis die Finanzmarktteilnehmer Alternativen für ihre Transaktionen gefunden haben.