Finanztechnologie und Digitalisierung (2017)

Blockchain war das dominierende Thema im Jahr 2017 und Gegenstand einer SFMA-Roundtable-Diskussion im Mai. Zwei Ereignisse von regulatorischer Bedeutung waren die Einführung einer Sandbox und die Ex-post-Überprüfung des SFMA-Rundschreibens 2016/7 „Video- und Online-Identifizierung“. Darüber hinaus hat die SFMA weitere Kooperationsverträge mit ausländischen Behörden abgeschlossen.

Die Technologie eröffnet etablierten Finanzdienstleistern, die die Zusammenarbeit mit Start-ups verstärken wollen, eine völlig neue Dimension.

Schwerpunkt Blockchain

Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen deutlichen Anstieg der Anfragen an den FinTech Desk (von 270 auf über 453). Die meisten Fragen drehten sich um Blockchain, virtuelle Währungen und insbesondere um Initial Coin Offerings (ICOs). Auch Anfragen zum Datenmanagement (Outsourcing und Betriebsrisiken) stiegen aufgrund von Problemen im Zusammenhang mit Cloud Computing, während Anfragen zu Zahlungsverkehrsdiensten leicht zurückgingen.

SFMA-Roundtable-Diskussion zum Thema Blockchain

SFMA veranstaltete im Mai einen Roundtable-Diskussion zum Thema Blockchain. Über 100 Teilnehmer aus dem Finanzsektor, der Technologiebranche und der Wissenschaft nahmen an der Veranstaltung teil. Der Hauptdiskussionsbereich waren virtuelle Währungen. SFMA teilte erste Erfahrungen und tauschte sich mit den Experten über kommende Blockchain-Entwicklungen aus. Die dynamische Marktentwicklung in der Blockchain-Technologie wirft einige grundlegende Fragen über das Finanzmarktrecht hinaus bis in das Zivil- und Konkursrecht auf.

Initial Coin Offerings

SFMA verzeichnet seit Mitte 2017 ein starkes Wachstum bei den Initial Coin Offerings (ICOs), die in der Schweiz durchgeführt oder angeboten werden. ICOs sind eine digitale Form der öffentlichen Mittelbeschaffung. SFMA erkennt das innovative Potenzial der Blockchain-Technologien an, weist aber auch auf die damit verbundenen Risiken, insbesondere für Investoren, hin. Einige Teile des ICO-Verfahrens können je nach Ausgestaltung bereits aufsichtsrechtlich geregelt sein. Im September veröffentlichte die SFMA die Guidance 04/2017 mit Informationen für Marktteilnehmer über ihre möglichen gesetzlichen Zulassungsanforderungen. SFMA leitete zudem Untersuchungen bei mehreren ICOs ein, um mögliche Verstöße gegen das Aufsichtsrecht zu untersuchen. In bestimmten Fällen hat die SFMA Anbieter gefälschter Kryptowährungen geschlossen.

Einführung der Schweizer Sandbox

Der Bundesrat hat die neuen Sandbox-Bestimmungen am 1. August umgesetzt. Diese Bestimmungen sollen die Erprobung innovativer Geschäftsmodelle erleichtern. Neu können Unternehmen Gelder bis zu einer Million Franken entgegennehmen, ohne dass sie über eine Bewilligung verfügen müssen. Sie sind jedoch verpflichtet, ihre Kunden darüber zu informieren, dass sie nicht unter der Aufsicht der SFMA stehen und kein Einlegerschutz für die eingezahlten Gelder besteht. Die SFMA hat ihr Rundschreiben 2008/3 „Öffentliche Einlagen bei Nichtbanken“ geändert, um den neuen Bestimmungen Rechnung zu tragen. Die Änderungen traten am 1. Januar 2018 in Kraft. Wie bei der Veröffentlichung angekündigt, hat die SFMA auch mit der Überarbeitung des Rundschreibens 2016/7 „Video- und Online-Identifizierung“ begonnen.

International anerkannte Partner

INMA vertritt die Schweizer FinTech-Interessen bei der Interaktion mit ihren internationalen Partnern. Die Mitarbeit in internationalen Gremien dient der Förderung schweizerischer Interessen durch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für innovative Entwicklungen und eines angemessenen Schutzes für Kunden und Systeme. Darüber hinaus hat die SFMA FinTech-Kooperationsverträge mit Australien und Israel abgeschlossen. Diese Vereinbarungen werden Schweizer FinTech-Unternehmen bei der Expansion in ausländische Märkte unterstützen.

FinTech-Anfragen werden von der SFMA bearbeitet

Im Vergleich zu 2016 drehten sich 2017 die meisten Anfragen des FinTech Desk um ICOs und Kryptowährungen. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte kam es zu einem starken Anstieg der Anfragen zur Kapitalbeschaffung über ICOs. Andererseits ist die Zahl der Crowd-basierten Finanzmodelle im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Da viele Geschäftsmodelle nicht auf eine bestimmte Dienstleistungsart beschränkt sind, ist es nicht immer möglich, die bei der SFMA eingehenden Anfragen einer der vier unten aufgeführten Kategorien zuzuordnen. Dies erklärt, warum die Werte gerundet wurden.

(Aus dem Geschäftsbericht 2017)

Dokumente

Diagramme und visuelle Informationen

img anfragen finma 2016
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