Risikolage im Zusammenhang mit Geldwäsche (2021)

Der Finanzplatz Schweiz ist ein weltweit führender grenzüberschreitender Vermögensverwaltungsstandort für Privatkunden. Dadurch ist sie besonders Geldwäscherisiken ausgesetzt. Verstöße gegen Sorgfalts- und Meldepflichten können für Finanzinstitute im In- und Ausland zu erheblichen Sanktionen und Reputationsschäden führen. Auch im vergangenen Jahr blieb das Geldwäschereirisiko hoch.

Eine Vielzahl neuer Kunden der Schweizer Vermögensverwaltungsbranche findet sich in den Schwellenländern, wo ein erhebliches Korruptionsrisiko besteht. Die jüngsten weltweiten Korruptions- und Geldwäscheskandale sowie die zahlreichen Verstöße von Finanzinstituten gegen Geldwäschevorschriften zeigen, dass die Risiken für Finanzinstitute im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft weiterhin hoch sind. Die Erfahrung zeigt, dass die mit Korruption und Unterschlagung einhergehenden Finanzströme nicht nur vermögende Privatkunden betreffen können, die oft als politisch exponierte Personen gelten, sondern auch staatliche oder halbstaatliche Organisationen und Staatsfonds. Die Risiken werden zusätzlich durch komplexe Strukturen erhöht, die die Transparenz bei der Identifizierung der wirtschaftlichen Eigentümer der betreffenden Vermögenswerte beeinträchtigen können. Zu diesen Strukturen zählen beispielsweise Domizilgesellschaften, Treuhandverhältnisse und Versicherungsverträge. Im vergangenen Jahr befasste sich die SFMA mit fünf Durchsetzungsfällen im Zusammenhang mit dem venezolanischen Ölkonzern PDVSA, von denen drei inzwischen abgeschlossen sind. Diese Fälle haben folgende Punkte deutlich gemacht: Das Compliance-Rahmenwerk einer Bank muss entsprechend der Risikobereitschaft angepasst werden. Die Institute müssen die Herkunft der Vermögenswerte feststellen und feststellen, ob die betreffenden Kunden tatsächlich die wirtschaftlich Berechtigten sind. Und sie müssen alle zweifelhaften Zusammenhänge der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) melden.

Die Zunahme der Meldungen der MROS deutet auf einen Kulturwandel und bessere Überwachungssysteme hin, aber auch auf das Fortbestehen einer Reihe sehr erheblicher Risiken. Die bei der MROS eingereichten Meldungen und die entsprechenden Berechnungen zeigen für das Jahr 2020 einen Anstieg von rund 25 % (siehe Grafik oben). Zudem war die Transaktionsüberwachung erstmals die Methode, die am häufigsten verdächtiges Verhalten von Finanzintermediären aufdeckte (36 %, siehe Grafik unten). Medienberichte waren viele Jahre lang die wichtigste Informationsquelle. Diese Entwicklung könnte auf ein größeres Bewusstsein und eine proaktivere Vorgehensweise der Banken bei der Wahrnehmung ihrer Meldepflichten hinweisen.

Neben den bekannten Geldwäscherisiken (insbesondere im Zusammenhang mit der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung) treten insbesondere im Zusammenhang mit Kryptowährungen zunehmend Risiken im Kryptobereich in Erscheinung. Während neue Technologien Effizienzsteigerungen im Finanzbereich ermöglichen, erhöhen sich auch die Gefahren der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung aufgrund der Möglichkeit einer größeren Anonymität sowie der Geschwindigkeit und grenzüberschreitenden Natur von Transaktionen. Insbesondere Kryptowährungen werden häufig im Zusammenhang mit Cyberangriffen oder als Zahlungsmittel für illegalen Handel im Dark Web eingesetzt. Auch für FinTech-Unternehmen können Geldwäscherisiken erheblich sein. In diesem Bereich tätige Finanzinstitute, die nicht über ausreichende Abwehrmaßnahmen gegen Geldwäschereirisiken verfügen, könnten den Ruf des Schweizer Finanzplatzes erheblich schädigen. (Aus dem Risikomonitor 2021)

Diagramme und visuelle Informationen

Aus dem Risikomonitor 2021
Aus dem Risikomonitor 2021
Aus dem Risikomonitor 2021
Aus dem Risikomonitor 2021